Zeit der Unschuld zeichnet ein präzises Panorama des New Yorker Hochadels der 1870er: Der pflichtbewusste Anwalt Newland Archer, verlobt mit der tadellosen May Welland, gerät durch die Rückkehr der skandalisierten Ellen Olenska in Loyalitätskonflikte. Mit kühler Ironie, freier indirekter Rede und dichter Symbolik (Maiglöckchen, gelbe Rosen) seziert der Roman Rituale von Opernloge bis Besuchszirkel. Als moderner Sittenroman der Gilded Age zeigt er, wie Etikette Begehren reglementiert und Tragik aus höflichem Schweigen erwächst. Edith Wharton (1862–1937), aufgewachsen im "old New York" und geprägt von Henry James' Psychologie des Blicks, schrieb den Roman im europäischen Exil mit elegischem Rückblick auf ein versunkenes Milieu. Ihre intime Kenntnis von Klasse, Räumen und Regeln und ihr Interesse an weiblicher Autonomie formen die nüchterne, zugleich mitleidlose Diagnose; 1921 erhielt sie dafür als erste Frau den Pulitzer-Preis. Wer einen klugen, unsentimentalen Gesellschaftsroman sucht, der Moralökonomie, Gender und Begehren in erzählerischer Perfektion verhandelt, findet hier ein Referenzwerk. Für Literaturwissenschaft und historisch Interessierte gleichermaßen ertragreich, bleibt es zugleich eine berührende Liebesgeschichte von unverminderter Aktualität und stilistischer Delikatesse. Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar – destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Autorenbiografie · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.
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