Materie und Gedächtnis entfaltet eine kühne Theorie der Beziehung von Körper, Wahrnehmung und Erinnerung, die materialistische und associationistische Modelle des 19. Jahrhunderts herausfordert. Wahrnehmung ist auf Handlung gerichtete Selektion in einem Feld von Bildern; das Gehirn erscheint nicht als Speicher, sondern als Organ der Wahl. Zentral ist die Unterscheidung von Gewohnheitsgedächtnis und reinem, virtuellem Gedächtnis. In präziser, bildreicher Prosa verbindet das Buch phänomenologische Analyse mit neurologischen Fallstudien (Aphasie, Läsionen) und positioniert sich zwischen Spiritualismus und Positivismus. Bergson (1859–1941), ausgebildet an der École normale supérieure und später Professor am Collège de France, verfasste das Werk 1896 als Fortführung von Zeit und Freiheit. Geleitet vom Begriff der Dauer wollte er die Kluft zwischen Wissenschaft und Metaphysik schließen. Im Dialog mit Neurologen wie Jackson und Charcot, doch kritisch gegenüber Reduktionismen, entwickelt er eine Theorie, die empirische Daten ernst nimmt und zugleich die Eigenständigkeit des Geistigen behauptet. Empfohlen für Leserinnen und Leser der Philosophie des Geistes, der Phänomenologie und der kognitiven Neurowissenschaften: Dieses Buch eröffnet eine anspruchsvolle, heute wieder aktuelle Perspektive auf verkörperte Kognition und Enaktivismus und liefert präzise Begriffe, um Wahrnehmung, Erinnerung und Handlung jenseits des Speicherparadigmas zu denken. Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar – destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Autorenbiografie · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.
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